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"Sieh doch hin da ist mehr für dich drin als es scheint, diese Botschaft besitzt viel mehr Kraft als man meint..." (In Zeiten wie diesen - Mitten im Leben CD)


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Herbst/Winter 2017/2018

In den vielen Jahren, in denen ich jetzt schon Geschichte lehre, verdichtet sich für mich zunehmend die Gewissheit, dass die Geschichte der Menschen eine Geschichte zunehmender Freiheit ist. Ohne Zweifel noch immer unvollendet, aber doch deutlich erkennbar, trotz mancher erschütternder Rückschläge, wie etwa bei uns in der Zeit des Nationalsozialismus. Begonnen mit der Aufklärung und der damit einhergehenden Französischen Revolution sind die Konflikte der Menschen seitdem fast immer mit dem Ruf nach mehr Freiheit verbunden. Freiheit und Selbstbestimmung sind zutiefst innere menschliche Sehnsüchte, die sich langfristig niemals werden unterdrücken lassen. In diesem Sinne glaube ich zu erkennen, dass sich neben der Reifung und Entwicklung der Individuen auch eine gesellschaftliche Entwicklung auf unserem Planeten vollzieht und wir uns in einem Stadium befinden, das sich möglichst vieler Autoritäten entledigen will, um aus eigenem freiem Entschluss das Leben zu gestalten. Ob sich das immer als gut erweist und erweisen wird, sei dahingestellt. Tatsache ist, dass Gewohnheit, Tradition, Gehorsam keinen Rahmen mehr bilden, der wie die Leitplanken einer Straße den Weg weist. Die vor uns liegende Weite ist offen und voller Wege und Möglichkeiten. Der Mensch will sich selbst gehorchen und sucht sich aus dem reichhaltigen Angebot von Denkansätzen, Sinnzielen und religiösen Welthaltungen aus,  was zu ihm zu passen scheint, zunehmend aus freiem Entschluss. In weltlichen Ordnungen hat sich dies schon länger (und häufig genug blutig) vollzogen, wie man etwa aus der Inschrift am Hamburger Rathaus ersehen kann: „Die Freiheit, die errungen die Alten, möge die Nachwelt würdig erhalten“. In den Kirchen vollzieht sich dieser Prozess erst in den letzten Jahrzehnten mit größerer Wucht, denn sie konnten bislang noch große Bevölkerungsgruppen durch Autorität, Tradition aber leider oftmals auch durch Schuldgefühle und Höllenängste an sich binden. Auch wenn die Kirchen unter dieser Entwicklung leiden, so ist sie doch richtig und wichtig und sie täten gut daran, sie nicht mit fundamentalistischen Strömungen unterbinden zu wollen, wie ich es in manchen katholischen Kreisen aber auch in der einen oder anderen evangelikalen Richtung zu erkennen glaube.

Was aber wird nun werden aus der Kirche und aus den sich von ihr distanzierten Menschen? Zunächst einmal gilt festzuhalten, dass der erwähnte  Loslösungsprozess noch länger anhalten wird. Während sich viele mit den gewonnenen Freiheiten und einem mehr oder weniger vorhandenen Wohlstand in der Welt austoben, haben die Christen die Chance sich auf Wesentliches zu besinnen und im Sinne des Evangeliums als Menschen der Liebe zu reifen (Mt 5,48). Es wir jetzt darauf ankommen, das, was Jesus gelebt und gelehrt hat, wirklich zu begreifen und in uns lebendig werden zu lassen, auf dass wir vor der Welt glaubwürdige Zeugen werden von der Hoffnung und Liebe die uns erfüllt (1 Petr. 3,15). Die Kirche der Zukunft wird hoffentlich dem Barmherzigen Vater im Gleichnis vom verlorenen Sohn entsprechen und sich in Geduld und Liebe jedem zuwenden, der sich aus freiem Entschluss suchend nach der Liebe Gottes sehnt.

Für diesen hier beschriebenen gesellschaftlichen Entwicklungsprozess scheint mir das Gleichnis vom verlorenen Sohn ein gutes Bild zu sein: Der Sohn, der die Geborgenheit und Sicherheit des Elternhauses verlässt, um aus freiem Entschluss in der Welt ein selbstbestimmtes Leben zu führen, erfüllt von der (oftmals trügerischen) Hoffnung, dort glücklich werden zu können…

Viele Jahre bevor diese Gedanken in mir gereift sind, schrieb ich das Lied „Der verlorene Sohn“. Meine Absicht war allerdings einen Text über den modernen Menschen zu schreiben und erst als ich nach einem Titel suchte, fiel mir auf, dass ich damit über den „verlorenen Sohn“ geschrieben habe. Das Lied wird auf der neuen CD erscheinen und bringt noch einmal in anderer Weise die oben geschilderten Gedanken zum Ausdruck.

Hier schon mal der ganze Liedtext:

Der verlorene Sohn

Text u. Musik: Stefan Jakob

 

1. Du warst noch jung und stark und mutig und sahst ganz passabel aus

und du tratst, dein Glück zu finden, entschlossen in die Welt hinaus.

Doch dein Weg war vorgezeichnet, mir scheint du hattest keine Wahl,

denn mit gewieften Werbesprüchen man dir schon früh die Freiheit stahl.

Und so gingst du allen andern hinterher ins Paradies,

das ein Leben dir in lichtverspielten Neonfarben pries!

 

Refrain:  Doch was ist aus dir geworden, aus dem versproch‘nen Paradies,

das sich doch irgendwann entpuppt hat als ein gläsernes Verließ!

Darin sitzt du lichtdurchflutet, gut vernetzt, digital

Und in deinen Augen liest man: Einsamkeit ist meine Qual!

 

2. Und dann tauchtest du mit Freuden ins Meer des Konsums ein,

eine Mega Bass–Anlage im neuen Auto musste sein.

Und mit deinen Freunden drehtest du Rund’ um Runde durch die Stadt,

bis auch jedes schöne Mädchen euern Rhythmus gehört hat.

Und bei jeder, die von diesem Rhythmus sich verführen ließ,

spürtest du für fünf Sekunden diesen Hauch von Paradies!

 

3. Deine Welt in diesen Jahren warst im Grunde du allein

Und die Maxime deines Handelns war das Haben nicht das Sein.

Ja, was auch dieses Land bewegte, ging fast ganz an dir vorbei,

und egal wen man auch wählte, es war dir einerlei.

Nur die Freiheit war dir wichtig, die die Verfassung garantiert,

damit war die Egozentrik ja auch staatlich legitimiert!

 

4. Bezeichnend war sie schon deine Lebensphilosophie,

auch zur Kirche sagtest du nie ja aber auch nein sagtest du nie.

Nur warst du einmal krank dann musste jede Hilfe her,

auch nur wenig auszuhalten fiel dir unsagbar schwer.

Und dann kam was kommen musste s’ist schon tausendmal Mal passiert,

etwas wirft dich aus der Bahn, dass man das Gleichgewicht verliert!

 

5. Es ist still um dich geworden und verloren stehst du da,

was dir früher noch so wichtig war geht dir heute nicht mehr nah.

Noch immer buhlt die Welt um dich mit ihrem Glanz und Schein,

doch den breiten, scheinbar leichten Weg schlägst du jetzt nicht mehr ein.

Aber wo, in welcher Richtung, findet sich ein Ziel,

für das es sich zu leben lohnt, versprochen wird so viel!

 

Refrain: Mmh,...

Es gibt immer einen Weg nach Haus, die Entscheidung liegt bei dir,

doch ich versich‘re dir dein Vater, der steht wartend an der Tür.

 

In diesem Sinne, wie immer mit herzlichem Gruß

Stefan Jakob